| Quelle: "Die Jäger des Meeres: Walfänger und Robbenjäger im Nord-Atlantik," herausgegeben von der High North Alliance, 1997. | ||
Schwer zu schluckenDie Perspektive aus dem Hohen Norden |
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"Wie man es auch wendet - Walfang ist Mord und Mord ist Unrecht " (Aus einer ganzseitigen Anzeige der Whale and Dolphin Conservation Society in The Times vom 1. Mai 1996) |
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| Das Büro der High North Alliance, dem
Dachverband für Jäger, Fischer und Fänger im Nordatlantik, liegt im Fischerdorf Reine
auf den Lofoten, nördlich des Polarkreises. Hier essen die Menschen Walfleisch als Steak,
Ragout, Frikadellen oder auf Pizza. Walfleisch ist Alltagskost. Man ißt dort auch
Rindfleisch und Lamm - aber vor allem Fisch. Fisch gibt es vier mal die Woche. Reine ist
nur eine der vielen Gemeinden im kalten Teil des Nordatlantiks - von Clyde River auf
Baffin Island im Westen bis Nizhnaja Zolotitsa am Weißen Meer im Osten - wo der Fang von
Walen und Robben ein selbstverständlicher Teil der Lebensgrundlage darstellt. Wenn wir hören, daß unsere Ernährungsweise im Hohen Norden uns zu Mördern macht, haben wir daran schwer zu schlucken. Für uns ist eine solche Behauptung so absurd und ungerecht, daß wir sie nicht ernstnehmen können. Aber es ist nicht möglich gewesen, die Kampagnen gegen Wal- und Robbenfang zu übersehen. Sie hatten das Ziel, die Märkte für die Fangprodukte kaputtzumachen - und hatten zum Teil Erfolg. Sie haben zu einem internationalen Verbot des Walfangs geführt (mit beschränkten Ausnahmen für die Jagd der Urbevölkerungen). Es wurden Druckmittel wie Boykottaufrufe gegen Waren aus den Fangländern eingesetzt. Für die meisten Jägergemeinden haben die Kampagnen ernste wirtschaftliche und soziale Folgen gehabt. Wir wurden gezwungen, die Hintergründe für den Widerstand gegen den Fang von Meeressäugern zu verstehen - und Möglichkeiten für einen Dialog zu suchen. Die ersten Proteste richteten sich gegen den industriellen Raubbau an den Meeres-säugerbeständen, hinter denen große internationale Konzerne standen. Das Ziel der Kampagnen war es, den Fang auf ein nachhaltiges Niveau zu begrenzen und die Bestände vor Ausrottung zu schützen. Und wir haben kein Problem damit, über diese Problematik zu reden. Wenn wir Raubbau an den lebenden Ressourcen im Meer betreiben, untergraben wir unsere eigene Zukunft. Allerdings dürfen wir in diesem Zusammenhang daran erinnern, daß die Hauptverantwortlichen für den früheren Raubbau aus dem Süden kamen - aus den wärmeren Teilen des Nordatlantiks. Diese Interessen wurden durch internationale Konzerne wahrgenommen, die sich zurückzogen, als Wal- und Robbentran durch billigere Pflanzenfette auf dem Weltmarkt ersetzt wurden. Die Fangnationen im Norden haben auf die ökologisch begründete Kritik mit verstärktem Forschungseinsatz, strengeren Fangquoten und verschärfter Kontrolle reagiert. Alle Arten, die bejagt werden, sind zahlreich vertreten und nicht gefährdet. Heute sind Kritiker, die behaupten, der Fang sei nicht nachhaltig, fast vollständig verstummt. Aber die Kampagnen werden fortgeführt, wenn auch nicht mit derselben Energie wie früher. Offensichtlich ist die Tatsache, daß der Raubbau an den Meeressäugerbeständen aufgehört hat, nicht zur Kenntnis genommen worden. Eine Umfrage von 1992(3) ergab, daß 65 bis 75 Prozent der Bevölkerungen in Australien, Deutschland, England und den USA glauben, daß alle großen Walarten vom Aussterben bedroht sind, während die Forscher von einer Walwelle berichten. In derselben Umfrage kam heraus, daß rund die Hälfte der Befragten glauben, daß der Walfang weiterhin für die Tranproduktion betrieben wird. Auf die Frage, wieviele es von den unterschiedlichen Walarten gibt, gab es viele Fehlschätzungen. Es ist bezeichnend, daß die Fehler immer dahin gehen, die Bestandszahlen zu unter-schätzen. Für uns stellt es sich so dar, daß fehlende Kenntnis dazu beiträgt, eine unbegründete Befürchtung für die Zukunft der Wal- und Robbenbestände zu hegen. Sofern noch ernste und begründete Zweifel an der Nachhaltigkeit unseres Fanges bestehen, sind wir gerne bereit, diese zur Kenntnis zu nehmen und darüber zu reden, was man daran verbessern kann. Aber für die Kampagnen gegen den Fang von Walen und Robben sind neue Motivationen hinzugekommen, mit denen die schwache ökologische Argumentation unterstützt oder gar abgelöst wird. Die Parole, in der Walfang mit Mord gleichgesetzt wird, zeigt in aller Deutlichkeit, daß es nicht mehr darum geht, wie viele Wale oder Robben erlegt werden, und auch nicht, wie sie getötet werden.(4) Vier Länder, die USA, England, Neuseeland und Australien, haben sich zu prinzipiellen Gegnern jeglichen kommerziellen Walfangs erklärt. Unsere grundsätzliche Besorgnis ist es, sicherzu-stellen, daß Wale nicht getötet werden, sagte der Vertreter Neuseelands in der Internatioanlen Walfangkommission.(5) Die amerikanische Gesetzgebung behandelt Meeresäugetiere völlig anders als andere Tiere. Grundsätzlich ist die Jagd auf Meeressäuger verboten. Es gibt vereinzelte Ausnahmen für den Eigenbedarf der Urbevölkerungen. Aber die Jagd auf Landsäugetiere ist erlaubt. Das gilt auch für den Fallenfang. Die USA liegen mit der EU im Streit, weil die Europäer die Einfuhr von Fellen aus dem Fallenfang verbieten wollen. Einen ähnlichen Konflikt gab es zwischen den USA und Australien. Damals verboten die USA die Einfuhr von Känguruhfellen. Es gibt ein deutliches kulturelles Element im Streit um den Fang von Meeressäugern. Man hat ihnen in einzelnen westlichen Gesellschaften einen besonderen Status zuerkannt, der sie unantastbar macht und sie über alle anderen Tiere oder außerhalb der Tierwelt stellt. Wale sind anders. Sie verdienen es, gerettet zu werden, nicht als potentielle Fleischklopse sondern als Quelle zur Ermutigung der Menschheit sagte der frühere Vorsitzende der US-Meeressäugerkommission, Victor Scheffer (6) . Die Bevölkerung Nord-Norwegens hat ein besonderes Verhältnis zur Eiderente. Man hat dort wohl gehört, daß Eiderentenbrust eine Delikatesse sein soll, aber nur wenige würden sie essen. Die Nord-Norweger verbinden mit der Eiderente alles andere als Nahrung. Jahrhundertelang haben sie die wertvollen Daunen eingesammelt. Sie haben Nisthäuschen gebaut und die Vögel vor Raubtieren und Raubvögeln beschützt. Das Daunensammeln ist schon längst Geschichte, aber das hat nichts am Schutz der Eiderente geändert. Viele anderere Enten und Seevögel werden bejagt, aber eine Eiderente abzuschießen ist verboten, obwohl sie der häufigste Entenvogel in Nord-Norwegen ist. In Dänemark dagegen ist Eiderentenbrust in allen Wildgeschäften erhältlich. Die Aussage Wale sind anders provoziert eine Frage: Für wen? Vertreter unterschiedlicher Kulturen werden niemals Einigkeit darüber erzielen, welche Tiere geschützt und welche gegessen werden. Das eigentliche Problem ist, wie man mit solchen kulturellen Unterschieden umgehen soll. In der High North Alliance (HNA) sind Walfänger und Robbenjäger aus Kanada, Grönland, den Färöern, Island und Norwegen sowie einige Gebietskörperschaften dieser Länder vertreten. Die Tätigkeit der HNA ist der Zukunft der Küstenkulturen und der nachhaltigen Nutzung von Meeressäugetieren gewidmet. |
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| Anmerkungen: 3.
Milton Freeman und Stephen Kellert, Public Attitudes to Whales Results of a
Six-Country Survey (Canadian Circumpolar Institute/Yale University, 1992) |
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