Quelle: "Die Jäger des Meeres: Walfänger und Robbenjäger im Nord-Atlantik," herausgegeben von der High North Alliance, 1997.
von Lars Emil Johansen, Ministerpräsident von Grönland
Der Fang von Meeressäugetieren war immer ein sehr wichtiger Teil im Leben in der grönländischen Gesellschaft - und er ist es noch. Der Fang der Meeressäugetiere hat traditionell der grönländischen Familie die weitaus meisten täglichen Bedürfnisse befriedigt. Und die Meeressäugetiere sind weiterhin ein wichtiger Teil der grönländischen Küche, auch wenn Produkte von Meeressäugern nicht mehr alle die Bedürfnisse decken können, die wir in unserem heutigen Alltag haben. Dessen ungeachtet kann ein Stück frischen Mattaks (Walhaut) uns immer noch entzücken.
Wenn ich sage, daß die Meeressäuger heute eine kleinere Rolle in der
grönländischen Gesellschaft spielen als früher, betrifft dies zumindest eine Reihe von
Siedlungen in Grönland aufgrund der völlig mißverstandenen Kampagnen gegen Robbenfelle
in den 70er und 80er Jahren. Der grönländische Fang von Meeressäugern war immer
nachhaltig. Die emotionale Kampagne gegen eine Form des Robbenfangs, der im übrigen in
Grönland nicht betrieben wurde, wurde als völlig unbillig empfunden. Die Folgen sind
bekannt - eine fast völlige Zerstörung des Robbenfellmarktes.
Die Zukunft des Jägergewerbes auf Grön-land sieht heute etwas rosiger aus als noch vor
einigen Jahren. Das Interesse für Robbenfelle ist leicht ansteigend, und das kann auch
zum Vorteil für die grönländischen Jäger sein. Es war daher erfreulich, daß der
Nordische Ministerrat als Sponsor für den grönländischen Vorschlag für ein Seminar
über die Produktion und den Handel von Urbevölkerungen im Januar 1996 eintrat, das
anläßlich des UN-Jahrzehnts für Urbevölkerungen stattfand.
Es ist meine Hoffnung, daß die Arbeit für die Möglichkeiten der Urbevölkerungen für
Produktion und Handel sowie der Zusammenarbeit insbesondere im West-Norden für das
Jägergewerbe zu einem breiteren Verständnis für eine nachhaltige Nutzung von
Meeressäugetieren zu unser aller Freude beitragen wird.
Nuuk, im Januar 1997

Lars Emil Johansen
Landstyreformand
Grønlands Hjemmestyre (1)
1. Das Vorwort wurde im Januar 1997 geschrieben, als Lars Emil Johansen noch Premierminister der Grönländischen Selbstverwaltung war.
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