| Quelle: "Die Jäger des Meeres: Walfänger und Robbenjäger im Nord-Atlantik," herausgegeben von der High North Alliance, 1997. | ||
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Eine Bewegung viele Beweggründe |
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Kampagnenmaterial, herausgegeben von der englischen Whale and Dolphin Conservation Society, 1995 |
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| Die Rettet-die-Robben- und Rettet-die-Wale-Bewegung
waren ein Erfolg. Sie waren ein Teil des ökologischen Erwachens in den 70er Jahren und
hatten als ihr ursprüngliches Ziel den Stopp des Raubbaues an Wal- und Robbenbeständen
und dafür zu sorgen, daß der Fang auf ein nachhaltiges Niveau beschränkt wird. Diese
Zielsetzung ist erreicht. Es ist heute schwierig, einen Fang von Meeressäugetieren
aufzuzeigen, der nicht nachhaltig ist. Trotzdem werden die Kampagnen zum Stopp des Fanges fortgeführt. Es zeigt sich, daß auch andere Motive als Naturschutz beteiligt waren, wie Tierschutz und Meeressäugetierrechte. Diese Motive sind nun die wichtigste Antriebskraft. |
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| Wir wissen so vieles mehr jetzt, und je mehr wir
herausfinden, um so mehr sind wir beruhigt, was die meisten großen Wale betrifft ... In
vielen Fällen, so beim nordatlantischen Buckelwal und dem nordostpazifischen Grauwal, die
beide fast bis zur Ausrottung bejagt wurden, sind die Zahlen wieder auf ein gesundes Maß
zurückgebracht worden. Dr. Tony Martin, Sea Mammal Research Unit, Cambridge, 1997 (29) |
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Für Umweltschützer ist die entscheidende Frage, ob die Verwendung
von Naturressourcen nachhaltig ist. Selbst mit diesem gemeinsamen Ausgangspunkt kommen sie
jedoch zu ganz verschiedenen Standpunkten, wenn es um den Fang geht. |
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| Eine begrenzte und regulierte Jagd auf Zwergwale
ist kein Problem. Es ist einfach gesund, den Uberschuß zu fangen, den die Natur gibt.
Geld bringt das auch. Rune Haaland von der norwegischen Umweltschutzorganisation Bellona , 1993 (30) Greenpeace ist gegen das Töten von Robben vorrangig für den nationalen oder internationalen Verkauf als Fleisch (tierische und menschliche Nahrung), Pelz, Leder, Öl oder andere Märkte. Greenpeace Grundsatzpapier, 1982 (31) Als Naturwissenschaftler kann ich nicht akzeptieren, daß Greenpeace gegen Walfang ist. Es muß erlaubt sein, von einer erneuerbaren Ressource zu ernten. Für mich ist das ein wichtiges Prinzip und ich habe die Konsequenzen daraus gezogen, indem ich zurückgetreten bin. Leif Ryvarden, früherer Vorsitzender von Greenpeace Norwegen und Biologieprofessor 1991 (32) |
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In den 90er Jahren hat die Tierrechtsbewegung in einzelnen westlichen Ländern, insbesondere in den USA und England, großen Erfolg gehabt. Tierrechte ist ein klar definiertes Konzept mit Ursprüngen in der Philosophie. Sie basieren auf der Idee, daß Tiere inhärente Werte als die Wahrnehmung von Leben als Subjekt haben und daß alle, die inhärente Werte besitzen, diese in gleicher Weise haben - ob sie menschliche Tiere oder nicht sind. Vor diesem Hintergrund kann es keinen Unterschied zwischen der Ethik, die sich auf die Beziehung zwischen Menschen und zwischen Menschen und Tieren beziehen, geben. Tierrechte verneinen, daß der Mensch die Möglichkeit hat, Tiere, für welchen Zweck auch immer, zu nutzen. |
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| Alle, die inhärente Werte habe, haben sie in
gleicher Weise, egal, ob sie menschliche Tiere sind oder nicht. (...) Die Moral erfordert
nicht weniger als die völlige Abschaffung der Jagd und Fallenstellerei für
wirtschaftliche und sportliche Zwecke. (...) Für die industrielle Landwirtschaft nimmt
der Standpunkt der Rechte eine ähnliche Haltung ein: den der Abschaffung. Tom Regan, The Case for Animals Rights, 1989 (34) |
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Die Tierrechtsidiologie ist bislang in den Kampagnen
gegen Wal- und Robbenfang nicht besonders in Erscheinung getreten. Das ist dafür die
stärkere eingeengte Form der Rechtediskussion: Meeressäugerrechte. Noch weiter
verbreitet sind Walrechte. Den Walrechtlern zu Folge haben Wale einen besonderen Status
innerhalb - am liebsten sogar außerhalb - der Tierwelt und haben deshalb ein Recht auf
Leben. Dies wird begründet mit ihrer Intelligenz, Kommunikation, Sozialleben usw. Aus
einem rein wissenschaftlichen Gesichts-punkt deutet wenig darauf hin, daß Robben oder
Wale einen solchen Status verdienen. Ein Teil der Argumente, die angeführt werden, z. B.
das Wale monogam seien, sind Mythen, die im Widerspruch zu den wirklichen Verhältnissen
stehen. |
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| Wale sind anders. Sie leben in Familien, sie
spielen im Mondschein, sie sprechen miteinander und sie kümmern sich umeinander in
Notsituationen. Sie sind furchteinflößend und mysteriös ... Sie verdienen es, gerettet
zu werden, nicht als potentielle Fleischklopse sondern als Quelle zur Ermutigung der
Menschheit. Dr. Victor Scheffer, früherer Vorsitzender der United States Marine Mammal Commission, 1989 (35) Wir sind gegen kommerziellen Walfang, weil Wale einen inneren Wert als Tiere von großer Intelligenz haben, deren Verhalten und Sprache sie abheben. Kathryn Fuller, Präsident von WWF USA, 1995 (36) Parallelen zwischen dem Leben eine Wales und unserem eigenen macht das Sterben der Wale noch schrecklicher. Wale leben in Familiengruppen. Als ein unfraglich intelligentes Wesen haben die Wale eine sanfte Natur und können bekanntlich singen, spielen und sogar weinen. Jeder Wal hat eine eigenständige Persönlichkeit...Reife. Der Wal wählt schließlich einen Partner für das Leben. Im Alter. Mit rund 50 oder 70 Jahren, abhängig von der Art, stirbt der Wal nach einem ausgefüllten und aktiven Leben. Warte nicht damit, einen Wal zu retten. Werde sofort Mitglied bei Greenpeace. Greenpeace Australien, Broschüre, 1993 Die Frage, die der Robbenfang aufwarf, war nicht nur, wie die Robben getötet wurden, sondern ob sie überhaupt getötet werden sollten. Der Gründer des International Found for Animal Wellfare, Brian Davis, IFAW Broschüre 1993 |
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Tierschützer akzeptieren - im Gegensatz zu den
Tierrechtsaktivisten - daß Menschen Tiere für verschiedene Zwecke nutzen, aber
sie befassen sich mit dem Wohlergehen der Tiere und damit, daß ihnen so wenig wie
möglich Leiden zugefügt wird. Aber sie wollen auch bewerten, ob der Zweck der Nutzung
von einer solche Bedeutung ist, daß es die Leiden - oder den Mangel an Wohlergehen - der
ihnen zugefügt wird, rechtfertigt. |
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| IFAW bleibt weiterhin dabei, daß kommerzieller
Walfang unheilbar inhuman ist und deshalb enden muß. IFAW Opening Statement zur IWC, 1995 (37) ... es ist selbstverständlich ein großes Problem, die relativ kurzzeitgen, aber intensiven Schmerzen der Wale beim Töten mit den eher langanhaltenden, aber weniger intensiven Formen für Unbehagen in der landwirtschaftlichen Tierhaltung zu vergleichen. Persönlich habe ich keine Probleme, einen solchen Vergleich vorzunehmen. Die Schlußfolgerung ... ist, daß ich lieber ein Zwergwal wäre, der bis zu den letzten schmerzhaften Minuten in Freiheit lebt, ... als ein Schwein oder ein Huhn... Peter Sandøe, Philosoph, Leiter des dänischen Tierethischen Rates, 1993 (38) |
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| KONZEPTE IM KONFLIKT Die vier vorgestellten Konzepte sind nicht nur unterschiedlich, sie stehen untereinander im Konflikt. Der Konflikt zwischen Tier- oder Walrechten und Umweltschutz ist unauflösbar und fundamentalistisch, während der Konflikt zwischen Tierschutz und Umweltschutz oftmals durch Kompromisse gelöst werden kann, indem beide Interessen berücksichtigt werden. Einer der Fälle, wo der prinzipielle Konflikt am besten sichtbar wird, betrifft Faunen-verfälschungen, wie z. B. Kaninchen in Australien, die eine ursprüngliche heimische Art gefährden. Die Umweltschützer setzen sich dann dafür ein, die neu eingeführte Art zu töten, eine Lösung, die Tierrechtsaktivisten unter keinen Umständen annehmen können. Von einem ökologischen Gesichtspunkt her betrachtet ist es sicherlich besser, daß die Färinger, die Grönländer und die Norweger Wale fangen, als daß sie Fleisch von den Agro-Fabriken in Europa einführen. Die nachhaltige, energieeffiziente und nicht-verschmutzende Nutzung lokaler erneuerbarer Ressourcen stellt ein öko-logisches Ideal dar. Für Walrechtler steht allerdings - wie wir gesehen haben - das Töten und Essen von Walen außer Frage. Sie werden empfehlen, Rind- oder Schweinefleisch zu importieren. Und die Tierrechtsaktivisten? Ihr Vorschlag, auf rein pflanzliche Nahrung umzusteigen, ist unter den klimatischen Bedingungen auf Grönland, den Färöern und in Nord-Norwegen nicht zu verwirklichen. IMMER AUF DIE INUIT Bislang war die Jagd der Urbevölkerungen fast ohne Ausnahme niemals direkte Ziel-scheibe der Kampagnen gegen Fang. Die Kampagnen zur Zerstörung der Robben-fellmärkte waren gegen den Robbenfang in Norwegen und auf Neufundland gerichtet. Aber Inuit in Kanada und Grönland sind für den Verkauf ihrer Robbenfelle von den selben Märkten abhängig. In kanadischen Jägergemeinden konnte man einen direkten Zusammenhang zwischen dem Zusammenbruch auf dem Robben-fellmarkt in den 80er Jahren und einer Zunahme der Sozialhilfeleistungen feststellen. Die Arbeitslosigkeit explodierte. Der Robbenfang stellte eine der wenigen wirklichen Möglichkeiten dar, die den Inuit geblieben waren, um ihre kulturellen Werte und sozialen Verpflichtungen zu erhalten. In der selben Periode, in denen die Kampagnen dazu führten, daß der Robbenfellmarkt zusammenbrach, gab es eine dramatische Steigerung in der Zahl der Selbstmorde in den Jägergemeinden sowohl in Kanada als auch auf Grönland - insbesondere unter jungen Männern. In weniger als fünfzehn Jahren hat sich die Zahl der Selbstmorde verfünffacht. Man kann nicht einen einzelnen Faktor als Ursache aufzeigen. Der Anstieg der Selbstmordzahlen hängt offenbar mit den großen kulturellen und sozialen Umwälzungen in diesem Zeitraum mit Identitätsproblemen und sozialen Auflösungstendenzen zur Folge zusammen. Es ist allerdings ganz klar, daß der Zusammenbruch im Robben-fellmarkt stark zu dieser negativen Entwicklung beigetragen hat. KULTURUNTERSCHIEDE Es kann durchaus sein, daß es nicht angemessen ist, die Motive der «Rettet-die-Wale» - und «Rettet-die-Robben»-Bewegung innerhalb rationaler, ideologischer Systeme zu suchen. Vieles deutet darauf hin, daß eine wesentliche Antriebskraft hinter den Bewegungen einfach nur kulturelle Eigenheiten sind. In England können sich 84 Prozent der Bevölkerung nicht vorstellen, Pferdefleisch zu essen, während zum Vergleich nur 16 Prozent niemals einen Lammbraten anrühren würden. Aber noch mehr Engländer, ganze 92,8 Prozent würden kein Walfleisch essen. Die entsprechende Zahl für Robben beträgt 91 Prozent . In Norwegen gibt es mehr Leute, die Widerwillen gegen Känguruhfleisch als gegen Walfleisch haben. In Australien ist es genau umgekehrt.(39) In allen genannten Ländern hat die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung großen Appetit auf Hähnchen. Diese Haltungen haben wenig mit Ethik oder rationalem Denken zu tun, sondern geben viel mehr Ausdruck für kulturelle Besonderheiten.
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| Ausdauernd und mit starken Argumenten be-tonte
Greenpeace, von welch wesentlicher Be-deutung ein Moratorium dafür sei, daß sich die
Bestände wieder erholen könnten. Niemand beabsichtigte indes, eines Tages zu verkünden,
´okay, die Wale sind wieder da, der Walfang kann weitergehen´. Fred Pearce, Green Warriors, 1991 (40) Wir haben die Märkte für Robbenfell zerstört - das ist wahr, aber wie ich schon vorher gesagt habe, wenn wir eure Probleme sieben Jahre früher verstanden hätten, könntet ihr wahrscheinlich eure Felle weiterhin verkaufen. Ihr habt recht uns zu kritisieren und vielleicht zornig auf uns zu sein ... Allan Pickaver, Greenpeace, während eines Treffens auf Grönland,1985(41) Als Robben boykottiert wurden ... Da war absolut keine Hoffnung. Ich konnte sehen, wie mein Vater sich vorbereitete um rauszugehen, aber wofür? Es nahm einfach die Werte weg, die meine Vorfahren für eine so lange Zeit hatten ..., weg von mir, weg von Ihm, um es weiterzugeben. Inuit aus der kanadischen Arktis im BBC-Fernsehen, 1994(42) Ironischer Weise, und tragischer Weise, wurden die Inuit am wenigsten von den Anti-Robbenfang-Kampagnen angegriffen, doch sie wurden ihr größtes Opfer. Inuit Circumpolar Conference, 1996(43) Es scheint Einbildung bei den Maori und Pakeha zu sein, zu denken, wir können geradezu alles essen. Kommentar eines führenden neuseeländischen Umweltschützers und früheren Mitglieds des IUCN-Council, Cath Wallace über die Maoris und Pakehas, die Fleisch von gestrandeten Walen essen. (44) |
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| Anmerkungen: 29. Zitiert
nach Robin McKie, Saved, in The Observer (London, 2. Feb. 1997) |
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