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"...das Beobachten eines Grindadrap
(Grindwalfang) auf den Färöern ist so ähnlich wie das Betrachten der Chinesischen Mauer
oder des Wachwechsels der Garde vor dem Buckingham Palace, obwohl das Spektakel ein wenig
blutiger ist
(Lawrence Millman, Last places - A Journey in the North, 1990)"Wenn
sie Wale in der traditionellen Weise Töten wollen, dann ist das für uns in Ordnung, wenn
sich ansonsten nichts in ihrer Lebensweise, in keiner Weise, geändert hat.
Sean Whyte, The Whale and Dolphin Conservation Society, 1991 (7)
"Sie sagen, sie brauchen es als einen Teil ihrer Tradition, aber sie haben
moderne Häuser, moderne Autos. Es ist nicht notwendig.
Gillian Stacey, The Pilot Whale Campaign, 1994 (8)
"Ich glaube, wenn wir das Kleingedruckte in unserer neuen Ökobibel lesen,
werden wir entdecken, daß die nachhaltige - und hoffentlich humane - Nutzung einer
natürlichen Ressource, die in
unsere Heimatgewässer schwimmt, den eigentlichen Kern von Umweltbewußtsein
darstellt.
Brian Leith, englischer Umweltfilmer, 1991 (9) |
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Ólavur Sjúraberg lebt in Leirvik, einem Dorf mit 800
Ein-wohnern auf den Färöern. Im Haupt-beruf ist er Lehrer an der Grundschule des Dorfes,
aber er ist zugleich auch Schafzüchter, Fischer und Walfänger. In dem Holzverschlag
neben seinem Haus hängt Lammfleisch, Fisch und Walfleisch zum Trocknen im Wind. Er holt
seine Kartoffeln aus seinem eigenen Acker. Er hat ein modernes Haus und ein modernes Auto.
Wenigstens alle vierzehn Tage essen er und seine Familie Walfleisch. Sie essen auch
Walspeck mit getrocknetem Fisch.Das Leben auf den Färöern ist sowohl modern als auch
traditionell. Die Färinger sehen das nicht als Widerspruch. Viele Leute arbeiten
tagsüber als Tischler, Bankangestellte, Busfahrer, Lehrer oder in der öffentlichen
Verwaltung, halten aber auch noch Schafe, bauen ihre eigenen Kartoffeln an, fischen oder
fangen Vögel, sammeln Seevogeleier und nehmen an den Walfängen teil - alles für den
eigenen Haushalt. Das selbst produzierte Lammfleisch, der Fisch und das Wal-fleisch werden
bevorzugt windgetrocknet gegessen, eine traditionelle Methode, um Lebensmittel für einen
längeren Zeitraum haltbar zu machen.
Ólavur besitzt gemeinsam mit seiner Schwiegermutter zehn Schafe. Er schlachtet und
zerteilt sie bei sich zu hause. Es gibt auf den Färöern kein Schlachthaus für Schafe.
Schlachten ist die schlimmste Arbeit, die ich kenne, aber es gibt keine
Alternative sagt Ólavur. Wenn man seine Nahrung selbst macht, spart man viel
Haushaltsgeld. Aber es gibt dir auch große Befriedigung. Züchten oder fangen, was
du selbst ißt, hält dich mit der Natur in Verbindung und macht das Leben interessant und
abwechslungsreich. Es bedeutet auch viel für den Gemeinsinn in einem kleinen Ort wie
Leirvik. Wir sprechen über Schafe, wir sprechen über Fischen, wir sprechen über
Walfang. Das verbindet uns. |
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Die Färöer sind in sieben Walfangbezirke
eingeteilt. Ólavur ist der Walfangvormann (grindaformaður) in
diesem Gebiet. Das bedeutet, daß er verantwortlich ist für die Organisation des
Waltreibens und daß sichergestellt wird, daß das Wort - grindaboð!
- die Runde macht, wenn Wale gesichtet werden, damit genug Boote zum Treiben der Wale
zusammenkommen, und ausreichend Leute am Strand stehen, um zu helfen.
Die Färinger haben Grindwale gefangen, seitdem die Inseln ständig besiedelt waren: seit
dem 10. Jahrhundert. Die fast vollständigen Verzeichnisse von Walfängen und Strandungen
auf den Färöern, die bis 1584 zurückreichen, stellen die längste und vollständigste
Statistik für die Nutzung von Wild dar, die bekannt ist. Seit 1990 beträgt der
durchschnittliche jährliche Fang von Grindwalen rund 1.000 Tiere. In Verbindung mit
jüngsten wissenschaftlichen Schätzungen des Vorkommens von Grindwalen im Nordatlantik,
wonach die Population auf 778.000 Tiere veranschlagt wird, gibt es keinen Zweifel daran,
daß dieser Fang nachhaltig ist. Geringe Anzahlen von anderen, zahlreich vertretenen
Arten, wie der Weißseitendelfin, werden gelegentlich ihres Fleisches wegen gefangen.
Das Treiben und Töten von Grindwalen ist durch färingische Gesetze seit dem frühen
19. Jahrhundert geregelt, und diese wurden in den zurückliegenden Jahrzehnten mehrfach
geändert, insbesondere in Hinblick auf die Tierschutzgesichtspunkte beim Walfang. Dies
hat zu Verbesserungen in der Organisation und Durchführung des Waltreibens als auch zur
Einführung eines Systems geführt, nachdem nur die am besten geeigneten Buchten für den
Walfang freigegeben werden. Aber der grundlegende Charakter des Walfangs auf den Färöern
ist im großen und ganzen geblieben, wie er immer gewesen ist.
Erstens muß gesagt werden, daß ein Walfang auf den Färöern immer unerwartet kommt. Man
kann nie wissen, wann eine Schule von Grindwalen nah genug an Land auftaucht, bei den
richtigen Verhältnissen von Wetter und See, um die Möglichkeit zu haben, sie an Land zu
treiben. Das ist der Grund dafür, daß es in einigen Jahren nicht genug Fleisch gibt,
während zu anderen Zeiten einzelne Fanggebiete für weitere Walfänge gesperrt werden,
weil die Versorgung mit Fleisch und Speck ausreichend ist.
Zweitens sind beim Walfang praktisch alle Mitglieder der Gemeinschaft beteiligt, und jeder
bekommt einen kostenlosen Anteil vom Fang. Die Arbeitgeber geben der Belegschaft
normalerweise frei, damit sie mitmachen kann. Der Fang wird nach einem komplizierten,
traditionellen Verteilungssystem abge-geben, das für jeden Walfangbezirk anders ist. Die
Empfänger schneiden die ihnen zugeteilten Anteile von Fleisch und Speck direkt aus den
Körpern heraus.
Drittens, der Grindwalfang ist blutig. Boote treiben die Wale an Land, wo man sie mit
einem tiefen Schnitt im Nacken hinter dem Blasloch dadurch tötet, daß man die
Wirbelsäule durchtrennt und damit die Blutversorgung zum Gehirn unterbricht. Das Meer
wird durch das Blut hellrot gefärbt. Alle Wale, die nicht hoch genug gestrandet sind,
werden mit Haken an Land gezogen, die im Speck der Wale befestigt werden.
Die vorläufigen Ergebnisse der jüngsten tiermedizinischen Überwachung der
Tötungstechniken im färingischen Walfang zeigen, daß es vom ersten Messerstich bis zum
Tod des Wales weniger als eine Minute dauert, wobei es nur eine Sache von wenigen Sekunden
ist, bis das Tier das Bewußtsein verliert. Das bedeutet, daß die Tötungstechnik beim
Grindwalfang genauso gut sind wie in jeder anderen Form der Jagd in Europa heutzutage.
Ólavur war um die siebzehn Jahre alt, als er den ersten Grindwal tötete. Jungen Männern
wird dies von den älteren beigebracht, meist sind es die Väter oder andere Verwandte.
Ich bin sicher, daß niemand, der seine eigenen Tiere für Nahrungszwecke tötet,
davon unberührt bleibt. Du möchtest es so schnell wie möglich und mit so wenig Leiden
für das Tier wie möglich durchführen. Für Grindwale ist das Messer unter
Berück-sichtigung der Umstände das mit Abstand beste Gerät für diese Aufgabe.
Schuß-waffen kommen dafür aus Sicherheits-gründen nicht in Betracht.
Ich kann die starken Reaktionen der Leute auf Bilder vom Walfang auf den Färöern
sehr gut verstehen, sagt Ólavur. Aber jedes Fleisch war einmal ein lebendes
Wesen, das jemand töten mußte, damit es auf deinen Teller kommt. Es scheint, daß die
Leute diese Tatsache des Lebens vergessen wollen. |
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Anmerkungen: 7.
Sean Whyte, Chief Executive, Whale and Dolphin Conservation Society, Fernsehinterview,
zitiert nach Kate Sanderson, Grind Ambiguity and Pressure to Conform: Faroese
Whaling and the Anti-Whaling Protest, in Elephants and Whales: Resources for Whom? Hrsg.
von Freeman und Kreuter (Amsterdam: Gordon and Breach Science Publishers, 1994)
8. Zitat aus dem Fersehbeitrag Animal Detectives; Pilot Whales, Carlton
TV, England, 1995
9. Brian Leith, Hung Verdict, The Daily Telegraph (Aug. 3, 1991)
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