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Seit prähistorischer Zeit steht die Jagd
von Meeressäugern im Mittelpunkt der Lebensgrundlage von vielen Grönländern
und Kanadischen Inuit. Archäologische Ausgrabungen haben gezeigt, daß schon 4500 Jahre
v.Chr. in dieser Region Jäger und ihre Familien für ihr Überleben hauptsächlich auf
Robben und Wale angewiesen waren. Die urzeitlichen Inuit von Thule, Vorfahren der heutigen
Grönländer und Kanadischen Inuit, entwickelten hochspezialisierte Geräte, darunter
Kajaks und Wurfharpunen mit klappbarer Spitze, um ihre Nahrung aus dem Meer zu holen. Inuit
leben in einer sich ständig ändernden Welt, in der die Einflüsse der Welt-wirtschaft
zunehmend spürbar werden. In dieser neuen Welt leben alte Inuit-Traditionen neben
industrieller Fischerei, globaler Kommunikationstechnik und sich ändernden
Kulturtechniken. |
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DIE GESCHICHTE DES INUIT-WALFANGS
Bevor die Europäer entlang der Westküste Grönlands und in der kanadische Arktis große
Wale fingen, machten Inuit Jagd auf den Grönlandwal und andere Wale für Nahrung und
Rohstoffe wie Walbein (Walbarten) und Knochen. Im Glauben der Inuit wurde betont, den
Walen angemessenen Respekt zu erweisen, um eine sichere und erfolgreiche Jagd zu sichern.Walprodukte
waren vor der Kolonisation Teil eines blühenden und ausgedehnten Tauschhandels in ganz
Westgrönland, insbesondere für Walbein. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde der
Grönlandwal von den europäischen Walfängern nahezu ausgerottet, und die Einflüsse der
Kolonisation untergruben den Glauben und den Walfang der Inuit gewaltig. Eine Zeitlang
wurden grönländische Jäger von der Dänischen Handelsmonopolgesell-schaft angestellt,
um Wale zu fangen. Der Urbevölkerungsfang von Kleinwalen und einigen Großwalen
überdauerte an einigen wenigen Orten. Auch in der kanadischen Ost-Arktis beschäftigten
europäische Walfänger viele Inuit bei ihren Walexpeditionen in der Mitte des 19.
Jahrhunderts. Mit ihrer neuen Walfangausrüstung und der starken Überfischung des
Grönlandwalbestandes in dieser Region wurden eine Reihe von grundlegenden Änderungen des
traditionellen Walfangs der Inuit eingeführt. Als der kommerzielle Fang des
Grönland-wales endete, wurde der kommerzielle Fang von den kleineren Weißwalen von
Handelsgesellschaften durchgeführt, die Haut und Speck nach Europa ausführten. Diese
Tätigkeit wurde bis Mitte des 20. Jahrhunderts fortgeführt.
Im der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts betrieb die Dänische Verwaltung vor
Westgrönland Walfang mit einem großen Fangboot, das mit einer Harpunenkanone
ausgerüstet war. Die Wale wurden zu Siedlungen geschleppt, wo die örtliche Bevölkerung
als Gegenleistung für das Flensen der Tiere Fleisch und Mattak erhielten. Der Speck wurde
nach Dänemark gebracht um die Kosten der Maßnahme zu decken.
DER INUIT-WALFANG HEUTE
Nach dem Zweiten Weltkrieg begannen die Grönländer selbst, Zwergwale und Finnwale von
kleineren Fischerbooten mit Harpunenkanonen zu fangen. Der Walfang wird nur gelegentlich
betrieben, die meiste Zeit während der Saison
werden Krabben, Fische oder andere Meeressäuger gefangen. Den Walfängern, die
Harpunenkanonen benutzen, ist gesetzlich vorgeschrieben, daß sie Penthritgranaten
benutzen müssen, mit denen die Tiere so schnell und schonend getötet werden können. Die
Fangquote für Zwerg- und Finnwale wird von der Internationalen Walfangkommission als
Subsistenzfang der Urbevölkerung festgesetzt, die grönländischen Behörden verteilen
diese dann auf die verschiedenen Gemeinden.
Jäger aus Orten, die keinen Zugang zu Fischerbooten und Harpunenkanonen haben, dürfen
Zwergwale von Kajaks aus mit Gewehren und Harpunen erlegen. Diese Gemeinschaftsjagden
ermöglicht es der Bevölkerung in den kleinsten und entlegensten Orten Grönlands,
Fleisch und Mattak von Zwergwalen zu erhalten. Weißwale, Narwale und andere kleinere Wale
werden normalerweise von kleineren Fahrzeugen wie Kajaks oder von der Eis-kante aus erlegt
oder mit einem Netz gefangen.
In der Kanadischen Arktis ist der Walfang inzwischen fast ausschließlich auf Belugas und
Narwale beschränkt, die von kleinen Booten oder im Frühjahr von der Eiskante aus erlegt
werden. Ein begrenzter Fang von Grönlandwalen ist kürzlich in der östlichen und
westlichen Arktis Kanadas auf Grundlage der Vereinbarungen zu den Landansprüchen der
Nunavut und Inuvialuit wiederbelebt worden. Diese Verträge sichern den Inuit-Gemeinden
einen verfassungsrechtlichen Zugriff auf lokale Ressourcen und eine vollständige
Beteiligung an deren Schutz und Verwaltung durch gemeinsam geleitete Gremien.
Auf ganz Grönland und in der Kanadischen Arktis ist Walfang ein örtlich betriebener
Bestandteil der gemischten Wirtschaftsweise aus Selbstversorgung und der Produktion von
Handelsgütern. Walfleisch ist eine wichtige Quelle für tierisches Eiweiß, und Knochen,
Barten und Zähne können für die Herstellung von Geräten oder traditionellen
Kunstgegen-ständen verwendet werden. Walprodukte werden innerhalb der Familien und
Nachbarschaft großzügig verteilt, wodurch die Verwandschaftbeziehungen und der
Gemeinsinn gestärkt werden, auf die Kultur und Glauben aufgebaut sind. |
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Eine erfolgreiche Fangfahrt: Ein Fischerboot aus Grönland mit einem Zwergwal
längsseits |
Die Handelsware auf Grönland betrifft den Verkauf von Fleisch
und Mattak für die Versorgung der örtlichen Bevölkerungen. In kleineren Ortschaften
können diese Produkte im Hafen gekauft werden, aber sie werden auch in ganz Grönland
verteilt und verkauft. Dieser Handel bringt den Jägern Bargeld ein, das in dem modernen
Wirtschaftssystem des Nordens benötigt wird. Der Verkauf von Walprodukten wird von den
Regierungsbehörden geregelt und überwacht, und alle Jäger, die sich am Handel
beteiligen, benötigen dafür eine Lizenz.
In der Arktis Kanadas dagegen werden Walprodukte durch weitverzweigte Familienbande
verteilt. In einigen Orten verkaufen Einzelhändler Mattak, und Bemühungen, den Handel
mit allen Jagdprodukten zwischen den einzelnen Siedlungen aufzunehmen, werden von der
Regierung unterstützt, die auch den nationalen Handel außerhalb der Arktis überwacht.
Jüngste Bedenken über den offensichtlichen Rückgang des Bestands von Belugas in der
Baffin Bai hat die grönländischen Behörden dazu veranlaßt, sowohl die Treibjagd auf
die Weißwale als auch den Verkauf von Belugas von Schiffen größer als 25
Bruttoregistertonnen zu verbieten.
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Die Naturverwaltungsbehörden auf Grön-land und in
Kanada fördern eine effektive Verwaltung des Walfangs, indem sie dazu ermutigen, das
Wissen der Urbevölkerung mit der westlichen Naturwissenschaft zu verbinden. Die
Grönländische Selbstver-waltung ist ein aktiver Teilnehmer in der IWC (durch die
dänische Regierung), der North Atlantic Marine Mammal Commission (NAMMCO) und, gemeinsam
mit Kanada, in einer Kanadisch-Grönländischen Kommission für den Schutz und die
Verwaltung von Belugas und Narwalen. Kanada hat sowohl in der IWC als auch der NAMMCO
Beobachter-status und trägt zur wissenschaftlichen Arbeit in beiden Organisationen bei. Robbenfang
der Inuit
Grönländer und Kanadische Inuit nutzen fünf Robbenarten: Ringelrobben, Sattel-robben,
Klappmützen, Bartrobben und Seehunde. Ringelrobben und Sattelrobben stellen bei weitem
den größten Teil der heutigen Fänge auf Grönland dar, während Ringelrobben und
Bartrobben die hauptsächliche Beute in Kanada ausmachen.
Der Robbenfang stand schon immer im Mittelpunkt des Inuit-Lebens. Bis in das frühe 20.
Jahrhundert haben Inuit-Familien gemeinsam ihre Boote aus Häuten beladen, die
geschützten Fjorde verlassen und Kurs auf bevorzugte Fang-plätze genommen. Im Sommer
konnten sie im offenen Meer jagen, während sie in der dunklen Jahreszeit geduldig warten
mußten, manchmal für Stunden, um eine Robbe an ihrem Atemloch im Eis zu harpunieren.
Oder wenn es die Eisver-hältnisse erlaubten, pirschten sie sich, hinter einem kleinen
Schild versteckt, an ihre Beute heran. Eine erfolgreiche Jagd unter solchen Bedingungen
erfordert eine außergewöhnliche Vorbereitung, Erfahrung und Geduld. Die Frauen der
Jäger konnten die Robben verarbeiten und nutzten Fleisch, Speck und Fell für viele
Zwecke - von Nahrung und Kleidung bis zur Beleuchtung und Beheizung. Die Erzeugnisse aus
der Jagd wurden innerhalb der Gemeinschaft weit verteilt.
Die Jagd hat sich heute nur wenig ge-ändert. Obwohl die Harpunen nun durch moderne
Technik in Form von Gewehren und Funkgeräten ergänzt wurde, sind Erfahrung, Geduld und
detailliertes Wissen weiterhin lebensnotwendig für den Erfolg der Jagd. Im Sommer werden
die Robben gewöhnlich von kleinen Booten wie Kajaks aus geschossen, während sie in der
dunklen Jahreszeit in offenen Fahrrinnen oder an Atemlöchern erlegt werden, oder indem
man Netze unter dem Eis spannt. In Süd-Grönland findet die Robbenjagd meist in
Verbindung mit dem Berufsfischfang statt, während im Norden und Osten Grönlands, und in
vielen Orten der östlichen Kanadischen Arktis, der Robbenfang sich zu einer wichtigen
Ganzjahresbe-schäftigung entwickelt hat.
Robbenfleisch ist ein Grundnahrungs-mittel. In der grönländischen und kanadischen
Inuit-Sprache bedeutet das Wort für Fleisch (neqi) immer Robben-fleisch, es sei denn, ein
anderes Tier wird genannt. Das Fleisch wird roh, gekocht, getrocknet oder gefroren
gegessen, und auch der Speck, der Tran und die inneren Organe werden weitgehend verzehrt.
Die Robbenfelle werden für die Winterkleidung genutzt oder an die Great Greenland AG (der
regierungs-eigenen Gerberei in Qaqortoq), an lokale Pelznähereien oder wie in Kanada an
örtliche Handelsgenossenschaften oder Händler verkauft.
Der Verkauf von Robbenfellen ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in den heutigen
grönländischen Ortschaften, der den Jägern Geld für Treibstoff, Jagdgerät und eine
Vielzahl importierter Lebensmittel und anderer Dinge bringt. Selbst in Orten, deren
Wirtschaft durch die Fischerei bestimmt wird, ist der Verkauf von Robbenfellen eine
wichtige Ergänzung zum Familieneinkommen, insbesondere im Winter oder wenn die
Fischquoten ausgeschöpft wurden.
Die Gerberei Great Greenland zahlt für Felle der höchsten Qualität bis zu 475 dänische
Kronen (rund 125 Mark). Daraus werden Mäntel, Jacken und Westen für eine Kollektion
hergestellt, die sowohl modisch als auch funktional ist. Sowohl der an die Jäger bezahlte
Fellpreis als auch die Herstellung der Kleidung wurden von der Grönländischen
Selbstverwaltung erheblich subventioniert, um den Schaden zu ersetzen, der von den
Anti-Robbenfang-Kampagnen in den 70er und 80er Jahren ausging, die, ohne gegen die Inuit
gerichtet zu sein, die internationalen Absatzmärkte für alle Robbenprodukte
verwüsteten.
So wichtig Robbenprodukte für die Ernährung und Wirtschaft sind, so wichtig ist der
Robbenfang für viele Bereiche der Inuit-Kultur. Dies wird durch den reichen Wortschatz
für die verschiedenen Arten, Unterarten und Eigenheiten der Robben widergespiegelt. Der
Robbenfang bildet den Rahmen, in dem das Bild von den alten Jagdtraditionen der Inuit,
verbunden mit dem dazuge-hörigen ökologischen Wissen, am besten zum Ausdruck gebracht
und über die Generationen weitergegeben wird.
Die Grönländische Selbstverwaltung ist derzeit darum bemüht, Exportmärkte für
Robbenfleisch in China und Japan aufzubauen, und im Zuge des wachsenden Tourismus in der
Arktis können handgemachte Robbenprodukte eine beachtliche Einnahmequelle darstellen und
zugleich einheimische Kunst und Handwerk am Leben erhalten. Um diese Ziele zu erreichen,
ist es erforderlich, daß Menschen außerhalb des Hohen Nordens die weiterhin hohe
Bedeutung lebender mariner Ressourcen als Grundlage für diese Volkswirtschaften und
Kulturen erkennen und verstehen, heute und auch in Zukunft. Da Meeressäugetiere einen
vorherrschenden Anteil am Ökosystem der arktischen See haben, muß jede auf die rationale
Verwendung örtlicher Rohstoffe basierende Entwicklung zwangsläufig die Nutzung von
marinen Säugern einbeziehen. |
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