Quelle: "Die Jäger des Meeres: Walfänger und Robbenjäger im Nord-Atlantik," herausgegeben von der High North Alliance, 1997.

 

Aufgelegt


Im Hafen von Reykjavik liegen vier Walfangboote am Kai. Die ölgefeuerten Dampfmaschinen können jederzeit gestartet werden. Aber seit Island den Forschungsfang 1989 beendete, haben die vier Boote den Hafen nicht verlassen. Drohungen mit Handelssanktionen aus den USA und privaten Boykottaktionen gegen den isländischen Export machen es ungewiß, wann die isländische Regierung ihren Walfängern erlauben wird, den Fang wieder aufzunehmen.

Bereits im Jahre 1916 verhängte Island ein Fangverbot für Großwale. Damals aufgrund des Raubbaus ausländischer Firmen, die sich mit Landstationen niedergelassen hatten. Erst 1935 wurde der Fang wieder freigegeben, dann aber unter nationaler Kontrolle. Nur einer einzigen Firma wurde der Fang erlaubt und die Anzahl der Fang-boote wurde auf vier begrenzt.

Dieses Unternehmen konzentrierte sich auf den Finnwal. Der Bestand an Finnwalen beträgt heute ungefähr 20.000 Tiere. Von 1948 bis 1985 betrug der durchschnittliche Fang 234 Finnwale jährlich, er war also nachhaltig. Der größte Teil der Walprodukte aus diesem Fang wurde exportiert.

 

 

 

 

 

 

 

 

Vier Walfangboote in Auflage im Hafen von Reykjavik

 

Zusätzlich haben rund zehn Fischerboote Zwergwalfang betrieben. Der Fang von Zwergwalen auf Island war ein integrierter Bestandteil der dortigen Küstenfischerei, in derselben Weise wie auf Grönland oder in Norwegen. In der Periode von 1914 bis 1950 war dieser Fang nur für den heimischen Mark bestimmt und die durchschnittliche Fangmenge lag unter 50 Tieren pro Jahr. Später stieg die Nachfrage auf dem heimischen Markt und es wurde auch exportiert. Die letzten Jahre, bevor der Fang 1986 als Ergebnis des Moratoriums der IWC beendet wurde, lag die Fangmenge bei rund 200 Zwergwalen im Jahr. Der jetzige Zwergwalbestand im Zentral-Atlantik liegt bei ungefähr 78.000 Tieren. Es gibt also keinen Zweifel daran, daß dieser Fang nachhaltig gewesen ist.

Als die Walfangkommission 1982 die Einführung eines Moratoriums gegen den kommerziellen Walfang beschloß, faßte das isländische Parlament mit einer Stimme Mehrheit den Beschluß, daß Island dagegen keinen Widerspruch einlegen sollte. Man vertraute darauf, daß das Moratorium, wie vorgegaukelt, bis 1990 überprüft worden wäre und daß Quoten verteilt würden gemäß der neuen und besseren Kenntnis über die Walbestände. Aber Island wurde enttäuscht und trat 1992 aus der Kommission aus. Der Austritt wurde damit begründet, daß die Walfangkommission im Widerspruch zum Walfangübereinkommen handelte.

Die Nutzung von Walen auf Island als Nahrungsquelle ist bereits in mittelalterlichen Handschriften aus dem 13. Jahrhundert be-schrieben und belegt. Wale wurden harpuniert (oder gespeert), an Land getrieben oder genutzt, wenn sie natürlicherweise strandeten. Das isländische Wort für einen gestrandeten Wal „hvalreki“ hat auch eine zweite Bedeutung: „Gottesgabe“.

Meinungsumfragen belegen, daß rund 90 Prozent der isländischen Bevölkerung die Wiederaufnahme des Walfanges befürwortet. „Die Frage ist nicht, ob Island den Walfang aufnehmen soll, sondern wann“ sagte der isländische Fischereiminister Thorsteinn Palsson.

Die Frage ist, wie lange isländische Walfänger warten können. „Nichts zehrt mehr an einem Schiff, als in Auflage zu liegen“ sagt Kristjan Loftson, Geschäftsführer der Hvalur AG, der die vier aufgelegten Walfangboote im Hafen von Reykjavik gehören.

 

Isländisches kombiniertes Fisch- und Walfangboot


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