Quelle: "Die Jäger des Meeres: Walfänger und Robbenjäger im Nord-Atlantik," herausgegeben von der High North Alliance, 1997.

 

Fischer und Walfänger im selben Boot


 

 

 

Drei Generationen der Bendiksen-Familie am Kai mit ihrem Boot „Trøndergut“. Sie leben vom Fischen und Walfang.(Photo anklicken, um es zu vergrößern)

Im Frühjahr wirft die Mannschaft von der Trøndergut die Fischernetze an Land und hievt die Kanone an Bord. Sie bereiten sich auf die Fangsaison vor, die normalerweise von Mai bis Juli dauert.

„Dorschfang und Zwergwalfang stellen für uns eine perfekte Kombination dar“ sagt Bjørn Hugo Bendiksen aus Reine, einem Fischernest mit
400 Einwohnern auf den Lofoten nördlich des Polarkreises. Gemeinsam mit seinem Vater und zwei Brüdern betreibt er den Kutter Trøndergut, der insgesamt sechs Mann Besatzung hat. „Hier gibt es im Winter einen reichen Dorschfang, an dem alle Boote teilnehmen, aber im Sommer gibt es vor der Küste weniger Fisch und es ist schwieriger, Boot und Mannschaft zu beschäftigen“, erklärt Bjørn Hugo.

Mit ihren 65 Fuß Länge ist die Trøndergut einige Fuß kleiner als der Durchschnitt der rund 30 Fischerboote, die am Zwergwalfang teilnehmen. Die meisten haben ihren Heimat-hafen auf den Lofoten. Alle Boote sind Familienbetriebe. Die Eigner arbeiten selbst an Bord. Die Teilnahme am Walfang ist durch Konzessionen beschränkt.
Die Zwergwale, die kleinsten Vertreter der Bartenwale, gaben zu wenig Tran als daß sie für die Tranindustrie, die mit niederländischen Fangexpeditionen im 16. Jahrhundert im nördlichen Atlantik ihren Ursprung hatte, von Interesse waren. Der Fang von Zwerg-walen begann erst Ende der 20er Jahre, als die norwegischen Küstenfischer ihre Boote motorisierten. Beim Zwergwalfang stand immer das Fleisch für den menschlichen Verzehr im Vordergrund.

Der Fang ist heute strengen Richtlinien unterworfen. Jedem Boot wird eine Quote zugeteilt, die innerhalb eines vorgegebenen Gebietes gefangen werden muß. Die Gesamtquote wird von den norwegischen Behörden mit dem vom Vorsorgeprinzip bestimmten Fangquotenberechnungsmodell der Interationalen Walfangkommission festgelegt. Norwegen hatte, was die Regeln
der IWC durchaus vorsehen, gegen das Fangmoratorium Widerspruch eingelegt
und ist daher nicht daran gebunden. 1997 betrug die Quote 580 Tiere. Die meisten Wale stammen aus dem Zwergwalbestand des Nordost-Atllantiks, der 1996 vom Wissen-schaftsKomitee der IWC mit 112.000 Tieren veranschlagt wurde. Die durchschnittliche jährliche Fangmenge liegt bei rund 2.000 Walen.

An Bord eines jeden Fangbootes ist ein Walfanginspektor mit veterinärmedizinischer Ausbildung die ganze Zeit dabei. Die Harpu-niere müssen jährlich eine Schützenprobe ablegen. In den letzten Jahren wurden vor der Saison Kurse durchgeführt, um sicherzustellen, daß alle Beteiligten mit den Fangregeln und den Anforderungen an die Tötung der Wale vertraut sind.

Die Trøndergut ist mit Satellitennavigation, Radar og Sonar ausgestattet, aber diese anspruchsvolle Ausrüstung kann für die Suche nach Walen nicht genutzt werden. Nur das Auge taugt als Suchgerät. Zwergwale sind schwer zu entdecken, besonders wenn das Meer unruhig wird. Mehr als die Hälfte der Zeit verbringen Walfänger mit Warten auf gutes Wetter. „Geduld ist die wichtigste Eigenschaft eines Walfängers“, meint Bjørn Hugo.


Zurück zum Inhaltsverzeichnis von „Die Jäger des Meeres"

Zurück zur homepage „deutsch"

Zurück zur homepage „englisch"